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5 min #philosophy #mindset

Den Verstand Erobern - Naval Ravikant & Kapil Gupta

A note to my English readers: this article is a German translation of an English original. You can read the original at https://nav.al/kapil.

Notiz: Die vollständige Übersetzung des Gesprächs wird noch dauern. Dieser Artikel wird regelmäßig erweitert.

Naval: Das Interessante daran, mit dir zu sprechen, Kapil, ist, dass du nicht für jedermann bist. Im Gegenteil. Die Dinge, über die du nachdenkst, und die Art, wie du sprichst, treffen wirklich nur auf eine sehr kleine Gruppe von Menschen zu. Unsere Diskussion wird in vielerlei Hinsicht einzigartig sein, und einer dieser Aspekte ist, dass sie für die meisten Menschen einfach keinen Sinn ergeben wird. Das bedeutet nicht, dass man versuchen sollte, sie zu verstehen. Das ist nichts, wonach man streben sollte. Es ist kein Uni-Kurs. Es ist für die meisten Menschen einfach nicht interessant. Aber noch einmal: Es ist nicht fortgeschritten, es ist einfach anders.

Ein weiterer Punkt, in dem sich dies unterscheidet, ist, dass ich nervös bin, dieses Gespräch zu führen, und normalerweise bin ich bei Podcasts oder Gesprächen nicht so nervös. Tatsächlich bin ich da sehr selbstsicher. In diesem Fall bin ich ein wenig nervös, weil all die Fragen, die ich dir stellen möchte, und all die Dinge, die ich mit dir besprechen möchte, zutiefst persönlich sind. Wenn ich nicht wirklich an der Antwort interessiert bin, dann stelle ich nicht wirklich die richtige Frage, sondern gebe nur vor dem Publikum an. Ich arbeite nun schon seit Jahren mit dir zusammen, Kapil. Ich habe vergessen, wie lange eigentlich. Es ist schon eine ganze Weile her, und ich bin nicht stolz darauf. [Lachen] Eigentlich zeugt das von Scheitern, oder? Denn was auch immer ich herausfinden müsste, hätte ich inzwischen herausgefunden haben sollen. Warum arbeiten wir immer noch an den selben Problemen? Aber die Welt, in der du dich bewegst, oder die Dinge, an denen du interessiert bist, und deine Sichtweise darauf sind so einzigartig, dass es Zeit braucht, um überhaupt das Vokabular und die Grammatik dessen zu verstehen, wie du sprichst, wie du denkst, wie du dich verhältst und wie du die Welt siehst.

Es gibt ein paar Schlüsselwörter, mit denen wir beginnen könnten. Ich beginne mit dem schwierigsten. Es ist schwierig, weil es das einzigartigste ist. Es ist ein Wort, das du immer und immer wieder verwendest, und ich glaube nicht, dass andere Leute wirklich verstehen, was du meinst. Selbst ich verstehe noch kaum, was du meinst. Ich habe eine gewisse Vorstellung davon, aber es ist ein Perspektivenwechsel, der so wichtig ist, dass ich denke, es ist wirklich wichtig zu verstehen und sorgfältig zu untersuchen, was du damit meinst, bevor wir zum Rest kommen. Und dieses Wort ist: Verschreibungen (Prescriptions).

Lass uns über Verschreibungen sprechen.

Kapil: Verschreibungen sind „How-Tos". Es sind Tricks und es sind Techniken und Methoden, verschiedene Vorgehensweisen, um irgendwas zu erreichen. Wenn man über etwas mechanisches spricht – einen Computer einschalten oder Fahrrad fahren – sind Verschreibungen nützlich. Das Problem ist, dass, wann immer man sich in Bereichen befindet, in denen es um Kunst geht, sei es im Geschäftlichen oder im Sport oder sogar im Rahmen der Suche nach Frieden im eigenen Leben oder Freiheit oder dem Erreichen von Erleuchtung – all diese sogenannten spirituellen Bestrebungen –, diese Dinge können nicht durch Verschreibungen erklärt werden. Wenn man versucht, sie mit Hilfe von Verschreibungen zu erklären, passiert Folgendes: Die Verschreibung wird zum neuen Gott. Man beginnt zu versuchen, der Verschreibung gerecht zu werden.

Am Anfang hattest du einen Ort, zu dem du wolltest. „Ich möchte nach X." Dann führen Sie einen Zwischenschritt ein: die Verschreibung. „So kommt man zu X." Was dann passiert, ist, dass sich dein Verstand sich auf den Zwischenschritt konzentrieren wird und damit einen Vertrag eingeht, dem er nie zugestimmt hat. Dieser Vertrag besagt, dass du für den Rest deines Lebens versuchen wirst, den Zwischenschritt zu erreichen.

In allen Bereichen gibt es viele Menschen, die Großes leisten. Der Buddha erlangte Erleuchtung. Michael Jordan und Tiger Woods, die Erstaunliches im Golf leisten. Elon Musk und verschiedene Individuen, die Großes mit ihren Unternehmen leisten. Auch du selbst. Wenn man das nimmt, was diese Leute getan haben, und ein Buch schreibt und sagt: „Diese Leute haben X getan." Wenn dem folgst wirst du nicht so werden wie sie. Das funktioniert nicht!

Naval: Ich habe festgestellt, dass Biografien von erfolgreichen Geschäftsführern nutzlos sind, um ein Unternehmen aufzubauen. Sie sind gut zur Inspiration. Ich kann die Biografie von Steve Jobs lesen und inspiriert werden, aber ich kann nicht Steve Jobs werden. Und wenn ich in etwas aussergewöhnlich gut sein will, dann muss ich meinen eigenen Weg dorthin finden. Für mechanische Dinge funktionieren How-tos, aber wenn du versuchst, an der Spitze eines Fachgebiets zu arbeiten oder etwas Kreatives zu machen, helfen dir How-tos nicht weiter als über die elementarsten Grundlagen hinaus. Wenn man gerade erst mit etwas anfängt, ist es tatsächlich ein mechanisches Unterfangen. Man versucht einfach nur, überhaupt das Auto zu steuern, aber wenn man versucht herauszufinden, wie man es schneller als jeder andere über die Rennstrecke jagt, dann müssen alle Trainer und Techniken und Verschreibungen hinten an stehen, und du bewegst dich am Rand der Kunst.

Kapil: Das ist korrekt. Das Problem ist Konditionierung. Wenn ein Mensch das ganze Leben immer nur das selbe hört, dann ist was er kennt die Norm und die einzige Sprache, die er kennt. „How-Tos" sind als Paradigma so tief in der Kultur verankert. Es ist so tief im Cortex des menschlichen Gehirns eingebettet, dass die Vorstellung, es wegzulassen, oder die Idee, seine Existenz auch nur in Frage zu stellen, völlig abwegig ist. Es ist so jenseitig und gegensätzlich, dass es Jahre dauert, bis man überhaupt an den Punkt kommt, an dem einem dämmert, dass Verschreibungen ein Hindernis für das sind, was man versucht zu erreichen.